Wie sieht eigentlich ein Hochzeitskleid in Japan aus?

Hochzeitskleid Japan

Frauen, die in westlich geprägten Ländern aufgewachsen sind, haben meist relativ klare Vorstellungen darüber, wie ihr Hochzeitskleid aussehen soll. Klassisch in Weiß, dazu der obligatorische Brautschleier und eine lange Schleppe, die von blumengeschmückten Mädchen getragen wird – so oder so ähnlich ist das Bild, das viele zukünftige Ehefrauen bei der Planung ihrer Hochzeit im Sinn haben.

In Ländern, die außerhalb des Einflußbereichs des Westens liegen, pflegt man dagegen andere Traditionen. In Japan, das durch seine Insellage von jeher ein gut geschützter Kulturraum ist, trägt die Braut am Tag der Vermählung nicht nur ein Hochzeitskleid, sondern gleich drei. Während der eigentlichen Zeremonie wird das traditionelle Hochzeitsgewand getragen, das aus einem Kimono, einer Seidenhaube, einem langen Gewand sowie Sandalen und Tabi-Socken besteht. Die Farbe Weiß symbolisiert einerseits die Reinheit der Braut und andererseits die Bereitschaft, sich der Lebensweise des Mannes anzupassen.

Nach dem Ende der Zeremonie wird das traditionelle Gewand abgelegt und durch ein Hochzeitskleid ersetzt, das ebenfalls in Weiß gehalten ist. Manche Bräute wählen stattdessen einen weißen Kimono. Bei der anschließenden Feier kümmert sich die Frau um die Gäste, um gleich danach wieder zu verschwinden: Der zweite Wechsel des Hochzeitskleides steht an. Als Symbol des Eintritts in das Alltagsleben als Ehefrau trägt sie nun ein buntes Abendkleid oder einen bunten Kimono.

Geld spielt bei japanischen Hochzeiten keine Rolle

Beim Kauf ihres Hochzeitskleides scheut eine japanische Frau weder Kosten noch Mühen. Ein Brautkleid vom Discounter zu kaufen, ist aufgrund der herrschenden Konventionen de facto nicht möglich. Die gute Nachricht ist, dass sie nicht selbst für die Kosten aufkommen muss – in Japan ist es üblich, dass der zukünftige Ehemann diese Ausgabe übernimmt. Dazu kommt ein Verlobungsgeschenk, das den Gegenwert von zwei bis drei Monatsgehältern hat. Damit sollen die Braut und die zukünftigen Schwiegereltern beeindruckt werden.

Verleihfirmen haben im Land der aufgehenden Sonne Hochkonjunktur

Wer es sich aufgrund seiner finanziellen Situation nicht erlauben kann, seiner Braut ein teures Hochzeitskleid zu kaufen, kann als Ausweichmöglichkeit einen Verleihservice kontaktieren. Auf diese Weise entsteht zumindest die Illusion einer perfekten Hochzeit. Seitdem Japan in den 90er Jahren in eine bis heute anhaltende Rezession fiel, haben Millionen von Bräuten ihre Kleider nicht in einem Brautmode-Fachgeschäft, sondern bei einem Verleiher ausgesucht.

Ein weitverbreiteter Brauch ist es, eine Fotosession zu machen, bei der die Frau die geliehene Brautrobe trägt. Die Bilder kosten umgerechnet zwischen 1.000 und 3.000 Franken. Dies ist wahrlich kein günstiges Vergnügen, doch dafür bekommt man professionelle Hochzeitsfotos, die auf extrem langlebiges Papier gebannt werden. Glaubt man den Fotografen, sollen die Bilder bis zu 300 Jahre lang halten.

 

 

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1 Commentclick here to leave a comment

  • Katharina

    Der Artikel beschreibt die sehr interessanten Hochzeitsbräuche in Japan. Schon ungewöhnlich, dass Frauen in Japan am Tag der Hochzeit drei verschiedene Hochzeitskleider tragen, ob das auch für den Hochzeitsanzug des Mannes gilt? Auf jeden Fall scheint sich der Verleih ja zu lohnen.

 
 

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