Studie: Betreuungsqualität in Schweizer Pflegeheimen ist zufriedenstellend

Betreuungsqualitaet_Altenheime

Eine aktuelle Studie des Instituts für Pflegewissenschaft der Universität Basel kommt zu dem Resultat, dass 93 Prozent der Pflegenden die Qualität der Versorgung als gut erachten. 88 Prozent der Arbeitskräfte sind mit ihrer Arbeit zufrieden, obwohl mehr als 70 Prozent von ihnen an Rücken- und Kreuzschmerzen leiden. Bei der Studie wurden über 5.000 Mitarbeiter aus 163 Alters- und Pflegeheimen in der gesamten Schweiz befragt. Über die Zustände in den Heimen fanden die Teilnehmer der Untersuchung allerdings deutliche Worte: Aufgrund der angespannten Personalsituation haben die Pflegenden vielfach keine Zeit, Bewohner auf die Toilette zu begleiten oder sich länger mit ihnen zu unterhalten.

 

Die Studie förderte außerdem zutage, dass mehr als 20 Prozent der Befragten aus Zeitmangel keine aktivierende Pflege bieten können. Fast ebenso viele Pflegekräfte gaben an, verwirrte Menschen nicht genügend beaufsichtigen zu können, sodass Sedativa oder freiheitseinschränkende Maßnahmen eingesetzt werden müssten. 92 Prozent der befragten Pflegeheime beurteilen die Personalsituation als schwierig. 27 Prozent der Pflegenden sind angelernte Hilfskräfte, von denen viele aus dem deutschsprachigen Ausland stammen. In der Deutschschweiz ist der Anteil des Hilfspersonals mit 32 Prozent besonders hoch. Beunruhigend ist auch die Tatsache, dass rund ein Drittel der Altenpfleger älter als 50 ist. Wenn die Politik nicht gegensteuert, wird sich die Personalsituation innerhalb dernächsten Jahre weiter verschärfen.

 

Die Studie ist die bislang größte repräsentative Befragung von Pflegekräften in Schweizer Alters- und Pflegeheimen. Die Ergebnisse sollen nun zusammen mit den beteiligten Heimen und Fachverbänden analysiert werden. Insbesondere soll die Frage erörtert werden, welche Merkmale ein gutes Heim auszeichnen. Um die Rekrutierungssituation zu verbessern, sollen in den kommenden Jahren mehr Ausbildungsplätze geschaffen werden. Außerdem soll die 5-Tage-Woche eingeführt werden, die in anderen Berufen längst üblich ist.

 

Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern werden Altenpfleger in der Schweiz gut bezahlt – der monatliche Verdienst ist zwar von Kanton zu Kanton unterschiedlich, liegt jedoch selten unterhalb der 5.000 Franken-Grenze. Dies dürfte einer der Hauptgründe sein, weshalb die meisten Pfleger in der Schweiz trotz schwieriger Arbeitsbedingungen mit ihrer Situation zufrieden sind. Von so einem Gehalt kann eine Pflegekraft in Deutschland nur träumen: Hier stehen am Ende des Monats umgerechnet 2.000 bis 2.500 Franken auf dem Lohnzettel. Dies gilt allerdings nur für Vollzeitkräfte, von denen es in diesem anstrengenden Job nicht viele gibt. Die meisten Altenpfleger arbeiten 25 bis 30 Stunden pro Woche und scheiden lange vor dem Renteneintrittsalter aus ihrem Beruf aus.

 

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1 Commentclick here to leave a comment

  • Bei den Schweizern ist die Situation zwar noch nicht ganz so heikel wie bei uns, aber sie steuern geradeaus darauf zu. Das kann doch nicht sein, dass es selbst dort um diesen Beruf so schlecht steht.
    Einfach nur traurig!

    LG,
    Judith von Job Altenpfleger

 
 

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