Kinderheime sind schon lange keine Gefängnisse mehr

KInderheime

Kinderheime – bei diesem Begriff denken viele Menschen an alte Gebäude mit Massenschlafräumen, die das Flair eines Gefängnisses verbreiten. Zum Glück hat die Realität mit diesen Vorstellungen so gut wie nichts zu tun. Seit der sogenannten “Heimkampagne” zu Beginn der 70er Jahre hat sich das Schweizer Heimweisen stark verändert. Zur damaligen Zeit wurden erstmals die Erziehungspraktiken in vielen Einrichtungen öffentlich kritisiert. Zwar gibt es in manchen Institutionen noch immer veraltete Strukturen, die dringend auf den Prüfstand gehören; dennoch hat sich die Situation sehr zugunsten der Kinder verändert.

Während in der Nachkriegszeit Behördenwillkür an der Tagesordnung war, wird heute selten ein Kind gegen den Willen seiner Eltern in ein Heim gebracht. Nur wenn beide Eltern ihrer Verantwortung für das Kind nicht mehr nachkommen wollen oder können, schreitet der Staat ein. Die Gründe für eine solche Maßnahme sind vielfältig; in manchen Fällen wird ein Elternteil psychisch krank und muss für einige Monate in eine Einrichtung. Kindesmissbrauch, Drogenkonsum oder schlichte Überforderung können ebenfalls zu einer solchen Zwangsmaßnahme führen.

Allein in der Deutschschweiz gibt es derzeit 330 Institutionen für mehr als 7.000 Kinder und Jugendliche. In den Einrichtungen arbeiten insgesamt 10.700 Menschen. Das “Huus am Schärme”, ein Heim in Hägendorf im Kanton Solothurn, ist ein neues Projekt der Organisation SKSO (Stiftung Kinderheim Solothurn). Die Wohnsituation im “Huus” erinnert an eine studentische Wohngemeinschaft: Jedes Kind verfügt über ein eigenes Zimmer, die gemeinsamen Wohnzimmer sind mit Bücherwänden, Computern und Sitzmöbeln ausgestattet. Sogar einen Billardtisch gibt es hier.

Während viele andere Kinderheime Institutionen sind, die Gewinne erwirtschaften müssen, verfolgt die SKSO einen anderen Ansatz. Sie orientiert sich nicht an Umsatzzielen, sondern am Bedarf der Familien. Die Arbeit der Organisation ist darauf ausgerichtet, stationäre Maßnahmen zu verkürzen oder ganz zu verhindern. Das “Modell der Kompetenzorientierung” wurde von der Zürcher Soziologieprofessorin Kitty Cassée entwickelt. Der aufsuchenden Familienarbeit kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Ziel ist es, die Eigenverantwortung der Eltern zu fördern. Die Familien sollen dahin gebracht werden, dass sie ihre Alltagsprobleme selbstständig meistern können.

Im Jahresbericht der Stiftung wird ausdrücklich Bezug auf die Uno-Kinderrechtskonvention genommen, die 1997 von der Schweiz unterzeichnet wurde. In dem Werk wird unter anderem das Recht auf ein sicheres Zuhause und elterliche Fürsorge festgehalten. Im Jahr 2002 wurden von der UN-Generalversammlung zusätzliche Protokolle verabschiedet, in denen Maßnahmen zur Bekämpfung von Kinderpornografie, Kinderprostitution und Kinderhandel sowie das Verbot von Kindersoldaten/-innen beschlossen wurden.

 

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